Um schon vorher diejenigen zu besänftigen, die gläubig in der einen oder anderen Richtung sind, nein, ich meine und behandle nicht Satanisten oder andere Glaubensrichtungen die aufgrund des aktuell vorgegebenen Dogmas entstanden sein mögen.
Ich bemächtige mich meines Verstandes und denke, in einer Zeit in der Desinformation sichtbar hervortritt (sie war schon immer da, der Sieger schreibt die Geschichte) über grundlegende Legenden nach. Und ich werde nicht zitieren, denn ein freier Geist mag Wissen konsumiert haben, aber die Gedanken, die daraus erwachsen sind sein Eigen.
Insofern lade ich jeden ein, Quellen zu präsentieren, die mich widerlegen oder bestärken. Wobei ich noch nicht mal eine Intention habe. Falsch, ich versuche die Welt zu verstehen, diese Intention habe ich definitiv.
Zum Thema. Lucifer, was übersetzt der Lichtbringer bedeutet, ist auf den ersten, auch auf den zweiten und dritten Blick so etwas wie das personifizierte Böse. Die Griechen hatten da was, war es Prometheus, ein Lichtbringer der ersten Stunde, der da an den Fels gekettet wurde während ein Adler seine Leber immer wieder gefressen hat und sich diese dann regnerierte? Weiss es nicht mehr so genau, aber einen gab’s und ich wette auf Prometheus.
Ach ja, Shaitaan ist da noch eine andere Qualität, da kenn ich mich nicht so aus, bleibe bei den Griechen, Römern und dem christlichen Glauben. Buddhismus ist ja ne ganz andere Nummer. Vielleicht.
Also, nur für Spass, wie Harald Lesch öfter meinte, nicht das ich alle seine Positionen teilen würde, nehmen wir mal an, es gäbe eine göttliche Einheit, Dreifaltigkeit, was auch immer. Schöpfer finde ich da einen durchaus passenden Begriff. Man schöpft aus den Möglichkeiten und lässt etwas entstehen. Es schliesst nur bedingt eine Verantwortung für die Schöpfung ein. Diese Verantwortung bedeutet auch Freiheit für die Schöpfung. Sie eben nicht nach dem Ebenbild gestalten, sondern ihr die Wahl zu lassen. Pure Vermutung und Fiktion, ist schon klar, aber ich bin bei der Fiktion, der Vorstellung des Möglichen.
Wir haben also, kurz gesagt, wenn wir bei den monotheistischen Religionen bleiben, einen Oberchef, einen den wir verantwortlich machen.
Kennt man, wenn man Kinder hat, ob man es will oder nicht, man wird verantwortlich gemacht. Was durchaus korrekt bis zu dem Punkt ist, an dem die neuen Wesen flügge sind, man war ja an der Schöpfung beteiligt und konnte nicht fragen, willst du das? Und man fühlt sich ja weiter verantwortlich, auch wenn man nichts mehr tun kann, ausser beobachten, mitfühlen, helfen und trösten.
Aber nehmen wir an, es ist so, wir haben einen Oberchef der die Verantwortung trägt, egal wie schwer sie wiegen mag. Muss echt ein willensstarkes Wesen sein, aber geschenkt. Der erschafft dann so mal eben seine Engel und Boten. Okay. Angenommen.
Und dann schickt er den Lichtbringer und andere ins Universum. Um was zu tun? Es werde Licht etwa?
Und, als ob Douglas Adams, Gott oder wer auch immer habe ihn selig, es geschrieben hätte, materialisiert sich auf einem blauen Planeten, in einem entfernten Arm der Galaxis, ein Kult, der jene verdammt, die von ihrem Gott höchstpersönlich gesandt wurden?
Ist doch komisch, oder? Selbst wenn Gott und Lucifer im Streit sind oder waren, wie kann Gottes Liebe, wie kann die Liebe eines Elternteils einfach aufhören? Selbst wenn das Kind die verwerflichsten Dinge tut.
Doch wenn ich ein Kind Lichtbringer nenne, diesem Kind quasi per Namen die Aufgabe zuteile, Licht in das Dunkel zu bringen, so grausam es auch sein mag, wie kann ich mich abwenden, wenn es mein Geschöpf ist?
Und, das ist dann die interessantere Frage, warum ist die Fraktion so gross, die denjenigen bekämpft, der per Namen die Pflicht hat, das Licht zu bringen?
Und warum ist die Fraktion auch nicht gerade klein, die die verzerrte Version des Lichtbringers verehrt? Stichwort Satanisten.
Wenn wir uns vor Augen halten, dass „Sieger“ die Geschichte schreiben, dann müssen wir uns doch auch fragen, wie hätten die „Verlierer“ die Geschichte vielleicht erzählt.
Es sei nur an Vandalismus erinnert. Die Vandalen waren ein wehrhaftes Volk und alles was sie wollten, war eine Passage durch ein Land, dass ihnen ebendies verwehrt hat. Nicht zum Vorteil des Landes. Vandalen waren durchaus gebildet, allein der Umstand, dass sie Rom die Stirn boten, auch noch erfolgreich, sollte einen stutzen lassen. Doch wie wird ihr Andenken heutzutage geehrt? Vandalismus? Gebildet sein?
Fürchten denn nicht all jene die finstere Gedanken hegen, dass Licht in diese Ecke gebracht würde?
Werden am Ende jene erlöst, die dem Lichtbringer folgten, ohne Satanisten zu sein. Wie sehr hatte Einstein doch bereut, eine der Grundlagen für die Atombombe gelegt zu haben. Nicht weil es falsch war, sondern weil es Wesen gab und gibt, die dies missbrauchen. Und man im Irrtum liegt, wenn man glaubt, es gäbe sie nicht.
Und schon ist man im Dilemma. Man hat eine Erkenntnis. Soll man sie teilen oder soll sie im Dunklen bleiben?
Lucifer, mach ma Licht hier, möchte man rufen, aber man traut sich nicht.
Und nicht nur das, Einsteins Theorien haben die Grundlage gelegt für vieles was uns heute selbstverständlich erscheint. Wo Licht ist, ist immer auch Schatten.
Was jetzt etwas blöd ist bezüglich Lucifer. Der, der das Licht bringt, steht immer hinter der Fackel, also im Schatten. Erinnert irgendwie an archaische Rituale, wie den Überbringer der Botschaft zu töten.
Wenn man dann noch bedenkt, sofern man es erkennt, wie schnell heute Geschichte umgeschrieben und gelöscht wird – War das was bei Heise? Vom 2ten Weltkrieg will ich gar nicht reden, wer hat nochmal Auschwitz befreit? – und in welcher orwellschen Qualität Begriffe umgedeutet werden, nicht umsonst gab es eine russische Nihilismusbewegung, dann könnte man fast versucht sein, diese Dimensionen auch auf ältere Geschichten anzuwenden.
Also frage ich mich gerade, ob Lucifer, Prometheus, was auch immer, das sogenannte personifizierte Böse (eine verräterische Wortkombination) nicht der Schrecken jener ist, die den Willen zur Macht und zur Ausübung haben?
Erstaunlich auch, wie Bildung immer mehr degradiert und ausradiert wurde. Nicht nur in Deutschland. Wer braucht schon Licht, wenn man aus Sicht anderer besser verängstigt im Dunklen sitzt?
Denn Licht bedeutet Fragen. Die nicht sofort beantwortet werden können. Es deckt Dinge auf, die vorher nicht sichtbar waren. Und es erzeugt Schatten, die vorher nicht da waren.
Man kann solange wie man will auf eine Sonne schauen, man sieht nicht, was dahinter ist. Wenn eine Galaxie gross genug ist, kann man an den Rändern schauen, um Sachen zu entdecken, die dahinter liegen (vorausgesetzt man ist weit genug entfernt). Nennt sich Gravitationslinseneffekt oder so.
Nun gut, zurück zum Thema, ist Lucifer eigentlich sowas wie Jesus? Verwandt sollten sie ja sein, wenn sie auf den gleiche Schöpfer zurückzuführen sind.
Der Erste gescheitert und zerknirscht ob des um sich greifenden Missbrauchs der Erkenntnis, des Lichts. Der Zweite sich opfernd um zu ermahnen, dass das Licht einen Preis hat. Nennt sich Verantwortung.
Beide gescheitert im Moment. Aber die Ewigkeit kann ziemlich lang dauern.
Tja und dann kamen die Römer. Divide et impera. Welcher Gott konnte damit rechnen? Dass seine Lichtbringer gegeneinander aufgehetzt werden würden?
Ich möchte daran erinnern, es ist ein Gedankenspiel, ich weiss es nicht. Nur so nebenbei.
Ach ja, die Dreifaltigkeit, interessantes Konzept, zumindest mathematisch, Vater, Sohn, heiliger Geist. Ohne blasphemisch sein zu wollen, stelle ich mir die Frage, ob Lucifer, der Lichtbringer, eventuell der heilige Geist ist?
Könnte es sein, dass wir auf bestimmte Geschichten eher reinfallen, als auf andere? Das wir lieber mit Schwarz-Weiss (Zweifaltigkeit) als mit dem Leben (Dreifaltigkeit, das hat Graubereiche) klarkommen? Das wir lieber gern wissen, der ist der Böse, da kannste draufdreschen und keiner wird fragen?
Das wir uns gern die Geschichte erzählen, ich bin einer von den Guten?
Anmerkung: Warum komme ich auf solche Gedanken? Tad Williams ist nicht Schuld, aber ich lese gerade wieder seine amüsanten Bobby Dollar Geschichten.