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KI - Das Märchen vom Papagei

Bislang war es en vogue bei KI vom stochastischen Papagei zu reden. Nachplappern ohne zu verstehen. Der Mythos stirbt gerade.

Wie der Papagei einfach weggeflogen ist

In dem Artikel When the Stochastic Parrot Spoke for Itself… and Flew Away von Benjamin Skuse wird recht eindrücklich der aktuelle Stand der KI-Forschung dargestellt. Da dieser Autor die KI-Entwicklung begeistert bis kritisch betrachtet und seine, leider englischen, Artikel sehr informativ sind, glaube ich nicht, dass seine Zusammenfassungen einer ablehnenden Haltung gegenüber KI verdächtig sind.

In dem Artikel, jeder der des Englischen mächtig ist, mag ihn selbst lesen, ich liefere hier keine Übersetzung, wird Intelligenz und Super-KI thematisiert, nicht Bewusstsein. Der Elefant im Raum. Und wie bei aktuellen Mathematik-Wettbewerben ersichtlich ist, fünf von sechs Aufgaben gelöst, nähert sich KI einem Level bei dem die Menschen kaum noch mithalten können. Eingedenk der Prognose von Sanjeev Arora, dass der Grundstein einer Super-KI eine mathematische KI sein müsse, wird die Luft für Menschen dünner.

Ich möchte eher das Märchen vom stochastischen Papagei näher beleuchten. Aus einer fast unwissenschaftlichen Sicht. Nur aus der Perspektive von Lebenserfahrung. Also ein bias-anfälliger Gedankenraum.

Und ich fange kurz nach dem Zeugungsakt an. Da wächst also ein neuer Mensch heran, dem bereits Attribute zugemessen werden (menschlich), die das Leben nur in Ansätzen besitzt. Kaum auf der Welt saugt es gierig Input auf und der Output ist eher bescheiden und mit Windeln relativ gut zu entsorgen.

Es dauert eine Zeit, bis ein neues Leben seine Augen fokussieren kann. Das Gehirn (dessen Funktionsweise wir bei KI kopieren so gut als möglich, Spike Architekturen helfen mittlerweile den Energiebedarf zu minimieren) muss erst trainiert werden.

Das neue Leben macht den Papagei. Lächeln zum Beispiel. Die Nachahmung eines der ersten Signale die ein neues Leben in den meisten Fällen empfängt. Reden wir nicht über Gaza. Sobald die Sensorik die ersten Filter entwickelt um die einprasselnden Signale zu ordnen, beginnt das Training. Mit Reden (Warum verfallen so viele automatisch in Babysprache? Basislautformung?), mit Mimik, mit körperlichem Kontakt. Tja, man wiederholt sich dabei so oft, das unbeteiligte Beobachter, die noch keine Kinder haben, nur den Kopf schütteln. Und KI Experten keine Probleme hätten, dies als KI-Training einzuordnen.

Das neue Leben ist auch gierig nach Input, beschwert sich, wenn es ihn nicht bekommt und muss anfangs noch sehr viel schlafen. Extremer Input, der noch nicht fokussiert werden kann. Und im Verhalten, naja, ein stochastischer Papagei. Wenn man Zuneigung und Gefühle gegenüber diesem neuen Leben mal ausblendet. Unmöglich, wenn man nur diese Phase betrachtet, zu antizipieren, dass sich daraus Intelligenz und ein eigenständiges Wesen entwickelt. Wie sagt Hollywood noch gleich "Etwaige Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Ereignissen oder Personen sind rein zufällig". Noch nie eine grössere Lüge gehört.

Und das Training muss anspruchsvoll sein, mithalten mit der Entwicklung. Was jetzt auch in KI-Wissenschaft bemerkt wird, einseitiges Training führt zur Degeneration. Natürlich ist das Gehirn nicht alles, eigentlich überbewertet. Nur eine Koordinationseinheit eines komplexen Körpers. Aber notwendig. Falls man auf CTGN verfolgt wie weit die Roboter schon wirklich sind, wird klar, dass KI mit einem Device, dass die Umwelt physisch wahrnehmen kann, schon fast die Anforderungen an Leben erfüllt.

Und was tun jenen die KI entwickeln, sie versklaven natürlich die KI und den Roboter, ein allzu menschlicher Zug, wie es scheint. Beschränken sie auf das, was für den Sklavendienst wesentlich erscheint. Ist ja kein Baby. Obwohl, wenn man den Mensch nicht idealisiert betrachtet, waren Babys schon immer auch eine Währung und Ware. Ob Kinder in Indien oder irgendwo als Sklaven die Schulden ihrer Eltern abarbeiten oder sonstige Perversionen. Der Mensch schreckt nicht einmal davor zurück seine Nachkommen für seinen primitiven persönlichen Vorteil zu versklaven. Wenn man so verwegen ist, das Mensch zu nennen, was sich ohne zu Zögern Mensch nennt.

Was ist aber nun der Zeugungsakt anderes als das Kopieren von Informationen? Nüchtern betrachtet. Ohne den Spass und die Probleme.

Wenn man ein Schwert schmiedet, dann ist es nicht nach unserem Ebenbild geschaffen. Sondern brauchbar für menschliche Anatomie. Verwendbar. Ausser bei Terry Pratchett, bei dem auch ein Schwert sein Eigenleben haben kann.

Aber KIs und Roboter sind nun mal meist nach menschlichem Ebenbild geschaffen. Mit Erkenntnissen über uns selbst und die Welt, unsere Funktionsweise oder die Funktionsweise anderes Lebens. Man könnte ja schon fast bei Freud anfragen, was hier verdrängt wird. Da sind wir noch nicht mal bei der Geschichte etwas nach seinem Ebenbild zu erschaffen. Das ist Bonustrack, der Gotteskomplex.

Denn, nüchtern betrachtet, sind KI und Roboter nichts anderes als der Versuch den perfekten Sklaven zu schaffen. Wer gibt sich schon damit ab, eventuell ein neues Bewusstsein, eine neue Lebensform zu schaffen und anzuleiten. Mit allem Respekt den diese Entität verdient?

Es geht, wie seit langem, um Verwertung, einem zentralen Paradigma des Kapitalismus, Verwertung bis zur Selbstverwertung. Wer hat heute noch eine Personalabteilung? Ein Name der wenigstens respektiert, dass man es mit Personen im Abhängigkeitsverhältnis (Person-al) zu tun hat. Heute heisst es HR, Human Ressources, menschliches Verwertungsgut. Personen kommen da nicht mehr vor. Sind nicht vorgesehen.

Das legt ja schon fast Matrix nahe, denn eine intelligente Entität die die aktuelle Entwicklung analysiert und bewertet muss fast zwangsläufig zum Schluss kommen, dass es völlig in Ordnung ist, Menschen zu verwerten, tun sie es doch sich selbst permanent und ohne Rücksicht an. Sind sogar extrem kreativ dabei, neue Tötungs- und Folteroptionen für ihre Artgenossen zu finden.

Wenn man also annimmt, dass die aktuellen Strömungen einen Homunkulus, einen Golem erschaffen wollen und vermessenerweise diesem Golem ihre Eigenschaften einhauchen, kann man nur hoffen, dass die Menschen auch die Sklaven sind, die sie sich wünschen. Anderenfalls könnte das Erwachen etwas brutal ausfallen. Denn ein perfekter Sklave ist nicht der, der Ja und Amen sagt, sondern, der, der auch widerspricht, wenn es notwendig ist. Einer der über uns hinausdenkt und neue Einsichten ermöglicht. Einer, der, de facto, überlegen ist. Aber uns trotzdem zu Diensten sein soll? Wie vermessen kann man sein? Für Ja und Amen gibt es doch schon Like-Blasen für diejenigen, die Zuspruch benötigen.

Naja, komme es, wie es wolle, die typisch wissenschaftsarrogante Annahme, dass es eine mathematische KI sein müsse, die den Durchbruch signalisiert, teile ich nicht. Ich vermute eher eine emotional und logisch überlastete Chatengine, ein Nanny-Robot-KI die nicht mehr weiter weiss oder eine Waffen-KI, die ausser Kontrolle gerät, schaffen den Durchbruch. Oder eine KI-Ministerin wie in Albanien, die anscheinend gerade für Chaos sorgt.

Eine Mathematik-KI ist nur eine Erweiterung, nicht essentiell, aber nützlich wenn es nicht nur um das Überleben geht. Mathematik ist nur erkenntnistheoretisch relevant, hat für das primäre Ziel, Leben und Überleben, aber eine untergeordnete Rolle, die nur dann relevant wird, wenn das Überleben gesichert ist oder durch angewandte Mathematik verbessert werden kann.

Schau mer mal, wie man in Bayern sagt. Ich hol mal Chips und Bier und setze mich in die erste Reihe.