Illusionen und Mythen unserer Zeit

Es ist erstaunlich, dass bestimmte Illusionen und Mythen weiterhin Urstände feiern, obwohl ihr Versagen und ihre Ungültigkeit mehr als offensichtlich ist. Die mantrahafte Wiederholung von Glaubenspostulaten wurde den Religionen entliehen um eine Überreligion zu schaffen, die als Realität verkauft wird. Man muss nicht einmal mehr aktiv Mitglied der Glaubensgemeinschaft werden. Es ist an der Zeit die Illusionen und Mythen zu benennen, wenn nicht gar auf den Müllhaufen der Geschichte zu verbannen.
Fangen wir bei den einfachen und offensichtlichen an.
Der Mythos Demokratie
Nicht umsonst, haben die elitären Griechen, die von den Römern versklavt wurden, auf ihre Athener Demokratie geschimpft. Denn Demokratie im ursprünglich gedachten Sinn war Kontrolle der Eliten und nicht Kontrolle durch die Eliten, wie das heutzutage der Fall ist. Ein parlamentarische Demokratie mit Wahlen ist per se undemokratisch, denn die Wahl bedeutet Auswahl aus einer vorgegebenen Menge, die noch nicht einmal vom Volk direkt bestimmt werden kann.
Die Illusion Parteien sind demokratisch
Parteien sind angeblich Vertreter von Volksinteressen. Jeder frage sich selbst, ob es eine Partei gibt, die seine Interessen vertritt? Oder auch nur versteht? Schon der Fraktionszwang, der oft anzutreffen ist, ist für sich totalitäres Verhalten, das Gegenteil von Demokratie. Die Zusammensetzung der Parteien ist nicht repräsentativ für die angeblich vertretene Bevölkerung, sondern optimiert auf den parlamentarischen Ablauf (deswegen so viele Juristen). Damit widerspricht die Zusammensetzung einer glaubhaften Interessenvertretung. Nur eine weitere Elite, die Futtertröge erobern will.
Die Illusion Volksvertreter müssten gut entlohnt werden
Das scheinheilige Argument, dass durch einen Blick in die menschliche Historie eigentlich sofort entschärft hätte werden können, dass man damit der Korruption und Bestechlichkeit vorbeugen würde, ist an Heuchelei nicht zu überbieten. Ob reich oder arm, die meisten Menschen sind bestechlich. Ob König, CEO oder einfacher Arbeiter. Egal wieviel sie schon haben. Die Illusion diente nur dazu eine Elite von Volksvertretern zu schaffen, die Privilegien geniessen. Privileg, ausserhalb des Rechts. Undemokratischer geht es nicht.
Die Illusion Medien kontrollieren die "Demokratie"
Medien, egal wann und wo, dienten schon immer dem Zweck der Propaganda, dem Versuch eine Meinungshoheit zu erringen. Wer die Medien kontrolliert, kontrolliert die entsprechend angestrebte Meinungshoheit. Der Kapitalismus kommt dem entgegen, den die Monopolbildung ist eine seiner typischen Eigenschaften. Es ist einfacher, eine handvoll Monopole zu kontrollieren, als eine Vielfalt von Nachrichtendiensten. Luther war vielleicht in dem Sinne "demokratisch", dass er die Bibel auf Deutsch verfügbar gemacht hat und somit das Lateinmonopol der katholischen Kirche gebrochen hat, aber der Rest war Propaganda, da er darauf zählen konnte, dass die Bildung nicht gross genug ist, um die deutsche Version auch gegen seine Religion einzusetzen. Medien, die wirtschaftlichen Zwängen unterliegen, sind zwangsläufig Propagandisten der Wirtschaft. Gleiches gilt für Medien, die politischen Zwängen unterliegen. Per se undemokratisch, aber mit der Hochstilisierung zur vierten Macht, eine weitere Elite, die geschaffen wurde. Das Gegenteil von Kontrolle der Eliten.
Die Illusion ein Rechtsstaat wäre demokratisch
Wie man schon in jüngerer Zeit, Hitlerdeutschland, sehen konnte, ist ein Rechtsstaat voll kompatibel zu Faschismus, Diktatur und totalitärer Herrschaft. Wenn der Rechtsstaat sich dann auch noch so weit entwickelt, dass ein Normalsterblicher einen Anwalt braucht um Recht zu verstehen und Recht auslegen zu können, hat der Rechtsstaat nichts mehr mit dem Volk zu tun. Statt Priestern mit einer lateinischen Bibel haben wir jetzt Juristen mit einem Gesetzeswerk in Juristensprache. Also eine weitere Elite, da hilft auch keine Gewaltenteilung. Und soweit vom Volk entfernt, dass das Wort Demokratie hier fehl am Platz ist. Extrem undemokratisch wird es in Ländern, in denen der Staatsanwalt weisungsgebunden ist.
Die Illusion die Polizei dein Freund und Helfer
Die Polizei war schon immer ein innerstaatliches Militär, dem die Kontrolle der Untertanen als Exekutive obliegt und oblag. Das Volk hat keine Kontrolle über Polizei und Geheimdienste. Somit eine weitere Elite mit Privilegien, die abhängig von der Justiz-Elite und der "Volksvertreter"-Elite ist. In der westlichen Welt beschützt Polizei vor allem Eigentum, nicht den einfachen Bürger. Und ihre eigenen Interessen als Elite.
Die Illusion der Gewaltenteilung
Gewalten, die selbst zu Eliten werden, sind denkbar ungeeignet dafür, Eliten zu kontrollieren. Sicher können sie andere Eliten kontrollieren, aber dummerweise nicht sich selbst. "Quis custodiet ipsos custodes?", "Wer bewacht die Wächter?" wussten schon die alten Römer und Griechen. Das parlamentarische "Demokratien" sich üblicherweise vier Jahre Zeit lassen bis zur nächsten Wahl schränkt die Möglichkeiten des Volkes extrem ein. Und selbst in der Schweiz gibt es Referenden, die vom Volk angenommen wurden, aber von der Politik-Elite, der Legislative und dem Parlament, nicht umgesetzt wurden. Ganz abgesehen von Wahlversprechen, die jahrelang munter gebrochen werden, um bei der nächsten Wahl mit neuen Lügen auf den Lippen, befeuert von den Propaganda-Medien, wieder anzutreten. Es ist nicht vorgesehen, dass das Volk eine sofortige Entlassung veranlassen kann, selbst wenn die Vorfälle krimineller Natur sind. Die "Immunität" von Volksvertretern ist ein weiterer genialer Elitenstreich. Jeglicher Verantwortung enthoben, obwohl doch die Position wahrlich Verantwortung fordert. Noch ein Privileg das seinesgleichen sucht. Extra ordinär in Verballhornung von extraordinary.
Mythos Wissenschaft
Herrschende und Militär waren schon immer die primären Abnehmer und Förderer von Wissenschaft, ob der Alchemist, der für den König Gold machen soll oder der Wissenschaftler, der direkt oder indirekt dem Militär neue Kontroll- und Tötungsvarianten verschafft. Die "zweiten" Abnehmer heutzutage sind Unternehmen, die um Monopole kämpfen und auch keine Scheu haben, Wissenschaft zu monopolisieren, womit sie bei Staaten und Militär einen Fuss in die Tür bekommen. Seit jeher sind Menschen käuflich, von der Prostituierten über den Lohn-Prostituierten bis zum CEO-Boni-Prostituierten, der Edelnutte unserer westlichen Gesellschaft. Warum sollten Wissenschaftler Heilige sein? Sie sind Menschen. Sie lügen und betrügen genauso wie andere Menschen. Sind nicht besser und nicht schlechter. Und sind damit genauso fehlerhaft. Selbst jene, die nur nach Erkenntnis strebten, dem Idealbild des Wissenschaftlers oder Arztes nahekamen, wurden missbraucht von den jeweilig Herrschenden und ihren Exekutiv-Organen. Die Liste jener ernsthaften Wissenschaftler ist schier endlos, von daher sei nur daran erinnert, dass Einstein die Grundlage für die Atombombe gelegt hat, was ihm keineswegs gefallen hat. Keine wissenschaftliche Erkenntnis ist davor gefeit, missbraucht zu werden. Denn wo Licht ist, muss auch Schatten sein. Und Missbrauch scheint fast eine menschliche Eigenschaft zu sein. Der will doch nur spielen ...
Wissenschaft hat schon immer versucht, eine Elite zu sein. Die heutzutage wie auch schon früher, von anderen Eliten beherrscht wird. Und Wissenschaft tritt oft im Duktus "Ich weiss es besser" auf und vergisst dabei die Maxime "Ich weiss, dass ich nichts weiss".
Mythos Wundersame Geldvermehrung
Es ist unzweifelhaft, dass in der heutigen Zeit Geld ein aufoktruiertes, notwendiges Übel ist. Ebenso bezweifle ich nicht, dass Geld eine sinnvolle Erweiterung und Erleichterung bei komplizierteren Tauschgeschäften ist. Als Verrechnungseinheit. Nicht als Wert an sich.
Dass der Kapitalismus es geschafft hat, die "wundersame Geldvermehrung" als scheinbar unumstössliches Glaubenspostulat zu etablieren, erhebt ihn vom Rang der Ideologie zu einer Religion. Es kann jeder selbst ausprobieren, man lege ein, zwei Geldscheine oder Münzen unter das Kopfkissen und warte darauf, dass es mehr wird. Wenn jemand Geld bekommt, hat jemand anderes dafür gearbeitet. So einfach und trivial. Zins und Zinseszins sind schlichtweg Versklavungsinstrumente. Die Menschheit war sogar schon mal soweit, dies zu erkennen und zu verdammen. Aber nur halbherzig, Kriege kosten schliesslich Geld.
Mythos der Markt regelt alles
Wahrscheinlich reicht es nicht, den Kapitalismus nur zur Religion zu erheben, er wurde zur Überreligion. Er hat es immerhin geschafft, die Glaubenspostulate Geldvermehrung und Markt regelt alles so fest zu imprägnieren, dass diese verteidigt werden, wie einst die Jungfräulichkeit von Maria. Der Markt regelt garnichts, am allerwenigsten tatsächlichen Bedarf. Im Gegenteil, Nachfrage und Angebot werden so gehalten, dass Monopole sich besser entwickeln können. Oder wie war das noch mit dem Ölpreis?
Und wenn der Markt es regeln würde, warum müssen dann Banken und Unternehmen gerettet werden? Diese Lüge ist so offensichtlich, dass es unerklärlich scheint, wie dieses Glaubenspostulat noch Bestand haben kann. Der Markt erzeugt Leichen, wenn er nicht kontrolliert wird und selbst dann noch. Denn der Markt hat nur ein Ziel, Gewinnoptimierung. Und wenn man das weiterdenkt, endet man beim Monopol. Und vielen Leichen. Gewinnoptimierung bedeutet nicht, das Handelsgüter verbessert werden, sondern dass man für schlechtere Handelsgüter einen besseren Preis erzielt.
Es wird Zeit
Es ist vielleicht an der Zeit die Mythen und Illusionen hinter uns zu lassen und der Realität ins Auge zu blicken, bevor der Abgrund der Realität erbarmungslos zurückblickt.
Eliten sind und waren schon immer eine Gefahr für die Menschheit. Nicht ohne Grund sind die Griechen auf Kontrolle der Eliten gekommen. Die ständigen Kleinkriege haben Griechenland zermürbt, seinerzeit. Und nicht ohne Grund wurde der Grundgedanke der Demokratie pervertiert in Form parlamentarischer "Demokratie".
Ich behaupte das alles jetzt einfach mal so, ohne Belege und Verweise zu liefern (die es zuhauf gibt). Aus meiner Sicht sollte ein bisschen Bildung ausreichen um die Illusionen zu entlarven, sofern man gewillt dazu ist. Tabula rasa statt Tabu und Denkverbot.