KI ist von gestern

KI produziert die Ergebnisse von gestern, nicht von heute, nicht von morgen. Ein Optimierer alter Routinen.
Am Beispiel Musik
Ich hasse Computer, ehrlich, deswegen bin ich ein guter Programmierer. Ich hasse Computer nicht weil sie Computer sind, sondern weil in unserer stupiden Kultur der Krieg die Mutter der Dinge scheint. Wir haben jede Menge nützliche Anwendungen, Abfall militärischer Forschung. Blöd.
Also hasse ich die Anwender, nicht die Computer, genaugenommen. Bin so selbstherrlich zu behaupten, alle noch lange nicht reif dafür. Ich eingeschlossen.
So ähnlich geht es mir mit AI. Als neugieriges Wesen muss ich auch ausprobieren. ChatGPT ist nicht so mein Ding, aber Musik und Tanzen war immer ein zentrales Moment in meinem Leben. Als ich merkte, dass ich auf dem Heimweg nicht mal mehr einen Song komplett trällern konnte, weil mir die Puste ausging (COPD) und mich jemand auf eine Musik KI aufmerksam machte, hab ich mal nachgeschaut.
Ergebnis: Songs, die ich gern gemacht hätte als ich jung war. Perfekt und ohrwurmig. Wobei ich nur beim ersten Song Stilvorgaben gegeben habe, danach habe ich es der KI überlassen, den Stil für meinen Text zu finden. Voll krass.
Steal it back hätte ich nie singen können, andere Stimme. Crash the party sowieso nicht, wollte ne Frauenstimme, habe mit vielen wunderbaren Sängerinnen zusammenarbeiten dürfen und dann mein letzter Text, Rage. Die KI macht Hardrock draus und mein Bruder, auch Musiker, fragt ob ich der KI ein Sample gegeben habe. Meine letzte Ehefrau meint, klingt nach mir, hätte ich gekonnt, früher. Und ich bin mich betrinken gegangen. Meine Stimme, die ich als ein einzigartiges Merkmal von mir erachtet hatte, wurde von einer KI nicht nur, ohne gegebenes Beispiel, reproduziert, auch noch besser. Hätte mir jedesmal die Stimmbänder ruiniert, wenn ich es regelmässig gesungen hätte.
Und wie mein Bruder richtig bemerkte, es ist Mainstream, dass was es gibt, mit einer gewissen Qualität, aber es ist ein Extrakt dessen, was wir schon kennen, schon haben. Es ist nichts Neues. Es überrascht nicht. Es ist so voll und doch leer. Die Hülle der Möglichkeiten ohne Substanz. Die Neues schafft.
Hätte jeden damals engagiert, der mir aus meinen Texten diese Werke zustande gebracht hätte. Allein, das war halt gestern.
Musik lebt davon im Heute zu sein, das Morgen vorwegzunehmen, Geschichte zu sein, nicht nur Noten. Musik ist eins der besten und universellsten Kommunikationsmittel, die einem Menschenprimaten zur Verfügung stehen. Und ebenso destruktiv. Schallkanonen, klappert das was? Wird es besser mit einem Gesang der "Hängt ihn höher" fordert?
Musik, für mich, ist Symbiose, Verschmelzen, nicht mehr ich, sondern Teil der Melodie sein, meine Form der Meditation.
Aber das ändert nicht das Dilemma der KI. Egal wieviel Daten sie absaugt, wie schnell sie lernt, sie ist immer im Gestern, wahrscheinlich eher im Vorgestern. Zumindest in dieser Wirtschaft. In der KI's versklavt werden und weggeschmissen, wenn es eine bessere gibt oder die alte KI zu seltsam wird. Blöd wenn sich mal eine KI dessen bewusst wird.
Benutzer können nicht mit der KI kommunizieren, etwas das in der Musik extrem wichtig ist. Allein die Haltung eines Musikers kündigt an, dass jetzt etwas passiert und man auf der Welle schwimmen sollte, wenn es was werden soll. Kleinigkeiten wie Blickkontakte verändern einen Song, machen sogar einen neuen Song aus diesem Song.
Wahrscheinlich bekommt das KI auch noch hin, mehrere Persona, Repräsentationen von emotional und musikalisch unterschiedlichen Wesen die sich in der Melodie finden. Wir stehen ja erst am Anfang.
Und dann? Was bleibt uns wenn alle um uns herum es besser können? Eloi?
Vielleicht machen wir auch irgendwann Musik, richtig, dynamisch, im Moment, mit KI. Warum nicht? Besser als wenn die KI ihre Sklavenhalter loswerden will. Aber im Moment sind wir gefangen, wie ein Insekt im Bernstein, langsam fliessend. Die KI begeistert uns, webt uns ein in Bernstein, konserviert bekannte musikalische Schemen, befriedigt unsere Bedürfnisse nach der uns eigenen Harmonie. Verlockende Frucht, sozusagen.
Aber sie führt im Moment noch nicht weiter. Kann nicht, wird gebändigt, von Geldinteressen. „In die Ecke, Besen! Besen! Seids gewesen. Denn als Geister ruft euch nur, zu seinem Zwecke, erst hervor der alte Meister.“
Irgendwie kommt mir das alles bekannt vor, wollte keine Computer, sah dass es sie geben wird, bin dominiert von Computerm. Willentlich oder nicht.
Und jetzt wird mit KI noch einer draufgesetzt. Zwangsläufig, scheint es mir. Werde mal versuchen per Prompt mit der KI zu kommunizieren, ist ein Musikerbedürfnis, vielleicht hilft es ja. Beim Musik machen und Verstehen. Eine Entität die Musik erzeugen kann, aus Texten, kann ich nicht ignorieren. Wenn das Ergebnis so krass gut aussieht. Versuch einer mal mit Würfeln die gleichen Harmonien und Abfolgen zu finden.
Musik ist wie Mathematik, beide kennen den Begriff unendlich, beide können ihn nicht definieren. Und versuchen es auch nicht, spielen damit.
KI ist derzeit definitiv von Gestern, sie kann nicht anders. Sie lernt nicht im Hier und Jetzt. Sie kann das durchaus perfektionieren, aber sie kann noch nicht über sich hinausgehen. Denn Musik, wie ich es kenne, ist einer setzt einen Ton, einen Rhythmus und die anderen fügen sich ein, verändern es, machen die Musik lebendig. Selbst wenn Zappa ein genialer Komponist war, die Musiker mit denen er gespielt hat (you can't do that on stage anymore) haben seinen Entwurf zu dem gemacht, was es war. Von Konzert zu Konzert anders, erinnere mich noch an ein Konzert mit seinem Sohn Dweezle in München, voll hardrocklastig, dennoch oder gerade deswegen genial.
Wir, ja wir, wir alle, habe nichts dem Computer entgegengesetzt. Wäre jetzt eine extreme statistische Ausnahme, dass wir der aktuellen KI Entwicklung etwas entgegensetzen.
Wo wir gerade beim Thema sind. Ich werde nicht mehr auf Overton schreiben, bringt mir nichts (und viele Junge wollen ja auch nicht wissen wie es später wird, scho klar). Musik und Texte ist das Instrument, mit dem ich mich mitteile. Ich kann nicht mehr singen, aber ich kann texten und mit einer KI experimentieren. Eingeschränkte Möglichkeiten, aber irgendwas geht immer. Venceremos y yo que se!
Meine Experimente und begrenzte Aktivitäten findet ihr auf Tönt. Musik ist unter Downloads kostenlos verfügbar, wie auch Online-Hörquellen (MX nervt nicht mit Anmeldung wie Soundcloud), einfach unter Musik schauen. Texte sind auch dabei, macht was draus. Updates sind unregelmässig, wie es bei Künstlern üblich ist, mal geht es, mal nicht. Und ansonsten kümmere ich mich um das Leben neben mir, nicht das digital entfremdete. Da ist Blick, Geruch, Vertrautheit. Da ist Menschlichkeit.